Kudamm – genius loci und viel Arbeit für den Stadtentwicklungsausschuss

Update: Am 08. Februar wird sich der Kulturausschuss im Abgeordnetenhaus (14.00 Uhr) mit der Frage der Kudamm-Bühnen befassen. 

Neues Kranzler-Eck, Kudamm-Karee, demnächst das um weitere Verkaufs-flächen arrondierte und vergrößerte ehemalige Wertheim-Areal, Umplanungen am Kempinski und am Gloria-Plast – zum wiederholten Male stand der obere Kudamm auf der Tagesordnung des bezirklichen Stadtentwicklungsauschusses.  Am vergangenen Freitag tagte er in Sondersitzung unter großer öffentlicher Betetiligung vor Ort im Kudamm-Karee. Bislang wurden dem Ausschuss die Projekte je einzeln präsentiert; das Wertheim Areal steht noch aus.

Das übliche Procedere sieht vor, dass nach der jeweiligen Vorstellung im Ausschuss die Fraktionen ihr Placet abgeben. Diese Praxis sollte jedoch kritisch auf den Prüfstand: Will der Ausschuss seine Aufgaben im Interesse der Öffentlichkeit ernst nehmen,  so wäre es an der Zeit, diese Planungen einmal einer Gesamtschau zu unterziehen.

Die Fraktionen, denen es zuletzt – und zu Recht ! – am Kempinski und am Kranzler-Eck um stadtbildprägende und kulturell-gewachsene Identitäten zu
tun war, sollten nun am Kudamm Karree um so aufmerksamer noch einmal
auf die Theaterfrage schauen: diese Theater machen ihn aus, den
genius loci.
Ob die Nachfolger von Ballymore und Chipperfield nun mit einer „Pralinenschachtel“ und steriler Multifunktions-Bühne unter der Erde diesen Geist fassen? Mit den Schauspielern, die am Freitagnachmittag im Ausschuss das Wort ergriffen, wage ich das zu bezweifeln. (Der Rest der Planung – Durchgänge zwischen Lietzenburger-, Uhlandstraße und Kudamm, die Absicht, den Büroturm freizulegen, um ihm eine Kudamm-Adresse zu verschaffen – geschenkt.)

Aus diesem Anlass hier nachgereicht: eine Pressemitteilung der Akademie der Künste von 2006 zum Erhalt der beiden Theaterbauten von Oskar Kaufmann und zur Geschichte des von Max Reinhard seit 1924 an diesem Ort geleiteten Berliner Boulevard-Theaters.

Und:  Was ist dran an der Geschichte abgekaufter Nutzungsbindungen für die Theater, zu hören ist von 8 Millionen? Wo blieb und wo bleibt der Denkmalschutz?

Nachtrag: Dass der Chipperfield-Entwurf vom Tisch sei, hatte die Morgenpost am 11.03.2015 gemeldet: „Cells Bauwelt wüsste zudem“, so wurde der Bausstadtrat zitiert, „dass für die Bezirksverordneten der Erhalt der Kudamm-Bühnen – Theater und Komödie – Priorität habe. Ob ein Theater erhalten bleibe oder der Kompromiss mit einem Ersatzbau favorisiert werde, konnte Schulte noch nicht sagen. `Ich bin nicht euphorisch. Dazu dauert alles viel zu lange, aber man kann konstruktiv zusammenarbeiten´, so Schulte.“ – Der nun präsentierte Entwurf lässt fragen, wie sich Stadtrat und Verwaltung in dieser Sache eingesetzt haben.

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