Stadtplanung in C-W: Es knirscht an allen Ecken

Update: Kleine Anfrage vom  28.01.2016 zur geplante Bebauung der Tennisplätze im Mendelsohn-Quartier?
s. inzwischen auch Morgenpost-online, 30.01.2016: „Wohnen auf Erich Kästners Tennisrasen“

Allgemeines Kopfschütteln im letzten Ausschuss für Stadtentwicklung (27.01.). Der Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf, Marc Schulte (SPD), erweist sich einmal mehr als Garant dafür, dass Anwohner „senkrecht stehen“. Diese schöne Formulierung – wie auch manch anderer Klartext – geht auf einen der  zahlreich anwesenden Anwohner des WOGA-Komplexes am Lehniner Platz zurück, denn dort liegt die neue politische Baustelle.


 

https://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/ueber-den-bezirk/sonstiges/ortsteile/mdb-schaubuehne.jpeg

„Neue Sachlichkeit“ am Lehniner Platz: Die Schaubühne bildet den charakeristischen Kopfbau jenes zwischen 1925 und 1931 entstanden, von Erich Mendelsohn entworfenen städtebaulichen Ensemble aus Kultur, Einkaufsmöglichkeiten und Wohngebäuden. Im Innenhof prangen Grünflächen und – Tennisplätze! Der WOGA-Komplex, so gennant nach der Wohnungs-Grundstücks-Verwertungs-Aktiengesellschaft, kurz WOGA der damaligen Eigentümerfamilie Mosse, steht unter Denkmalschutz.


 

woga komplex - Berlin, Deutschland

„Bauantrag für Mitte April avisiert“
Die Tennisplätze im Innenhof weckten augenscheinlich Begehrlichkeiten von Bauherren. Seit letztem Herbst beunruhigten Gerüchte, die Tennisplätze könnten bebaut werden, die Anwohner/Eigentümer. Was aber erfuhren sie vom Amt, als sie nachfragten? Wurde ihnen von einem – zeitgleich? – stattfindenden städtebaulichen Wettbewerb berichtet? Wer aber hat den initiiert, wenn doch das Gesamtensemble als Objekt Nr. 09011464 in der Denkmalliste des Landes Berlin eingetragen ist? Hat das Bezirksamt möglicherweise beim Landesdenkmalamt schon einmal vorgefühlt, um den Denkmalschutz auf- zuweichen? Wie anders erklärt es sich, dass der Baustadtrat gestern mitteilte,
„ein Bauantrag sei für Mitte April avisiert?“
Fragen über Fragen, die auch den Mitgliedern des Ausschusses wie Schuppen von den Augen fielen. Der Grünen Fraktion, immerhin, scheint die Sache schon etwas länger zu schwanen: Im Dezember hatten sie unter dem Titel  „Planungsprozess für das Bauvorhaben Cicerostraße 55A qualifizieren“ (DS 1486/4) einen Antrag eingebracht, der doch schon ziemlich handfest klang: in der Begründung ist von geplanten 70 neuen Wohnungen die Rede. Nun legten die Mitglieder derselben Grünen Fraktion einen Ersetzungsantrag zu ihrem eigenen Dezember-Antrag vor, der nur noch eine Einwohnerversammlung fordert. Was war das? Ein Zurückrudern von einer zuvor erkennbar gewordenen affirmativen Baulinie? Das, immerhin, wäre ja eine gute Nachricht.
Zwei Dinge jedoch sind spätestens nach dieser Ausschusssitzung unübersehbar: Die politische Mechanik der Stadtplanung unter diesem Baustadtrat knirscht inzwischen laut und an beinah allen Ecken.* Und die Verwerfungen im rot-grünen politischen Maschinenraum sind mit Händen zu greifen.

*Sorry für die nachgeordneten Mitarbeiter im Stadtentwicklungsamt. 

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