„Kein Berlin-Bezug“ – Geldwäsche am Kudamm Karree?

Man habe „keinen Berlin-Bezug“, so sprach´s der Geschäftsführer von Cells Bauwelt aus München, Norman Schaaf, als er seine Firma erstmals öffentlich (Sitzung des Stadtentwicklungsausschuss am  22. Januar 2016) als neuen Eigentümer des Kudamm-Karrees präsentierte. Der Architekt, Jan Kleihues, saß ungerührt daneben.

Solche Sätze prägen sich ein – von Öffentlichkeitsarbeit verstehen die Jungs von Cells Bauwelt eher wenig. Entsprechend brachial gingen sie gegen die Theaterdirektion Woelffer vor: Ein erstes Kennenlernen er- möglichten sie Herrn Woelffer  im Juni 2015 – knapp sechs Monate nach dem Kauf (Dezember 2014) – und überreichten bei der Gelegenheit gleich die Räumungsklage.
Über diese wird am kommenden Dienstag (31.05.2016) vor dem Berliner Landgericht verhandelt.

„Kein Berlin-Bezug“
Mai 2016, vier Monate später: Inzwischen haben die Fraktionen des
Abgeordnetenhauses von Berlin ihre alte Liebe zu den Kudamm-Bühnen wiederentdeckt und beschlossen einen neuen Prüfauftrag zu deren Erhalt. Zwei ähnliche Anträge werden auch in der BVV verhandelt. Denn der Baustadtrat verhandelt im Zweifel noch immer auf Basis der alten BVV-Beschlusslage aus Ballymore-Tagen – bzw. fällt auf diese zurück:`Erhalt eines Theaterstandortes im Kudamm-Karree` hieß das damals – womit heute auch das Keller-Theater von Herrn Kleihues gemeint wäre.

Fazit:
1.
Die BVV Charlottenburg-Wilmersdorf sollte, gerade vor dem Hinter- grund der Erfahrungen seit Ballymore, eine aktuelle und eindeutige Beschlusslage zugunsten des Erhalts von mindestens einem der Theater herstellen. Denn die BVV Charlottenburg-Wilmersdorf hat – und zu treuen Händen ! – einen Berlin-Bezug zu verteidigen: einen Bezug zur Theatergeschichte und zur Baukultur.

2. Schon gar, wenn die Geschäftsaufstellung und das Geschäftsgebaren jenes Luxemburger „Firmenmantels“, Mars Propco 1, der das Kudamm-Karree laut Grundbuch besitzt (von Ballymore und Cells Bauwelt stand und steht da nichts), samt seines panamesischen-zypriotischen Briefkastengeflechts im Hintergrund, so dubios ist wie hier.

3. Cells Bauwelt musste sich, und das ist nun wirklich erstaunlich, gegenüber dem Bezirksamt immer noch nicht als Eigentümer legitimieren! Meinen entsprechenden Anfragen in der BVV (Große Anfrage im Februar, Mündliche Anfrage im April, s.u.)  wich das Bezirksamt in der Sache einfach aus („ist nicht nötig“, „machen wir nicht“, „Nein“.). Einem entsprechenden Antrag  erteilten SPD und CDU in der Mai-BVV eine Absage.

Nun wird sich am Dienstag das Landgericht Berlin mit dieser Frage beschäftigen: Ob die Firma Mars Propco 1 „eine inexistente Scheinfirma“ sei, wie es die Kanzlei der Theaterdirektion Woelffer recherchierte  – und ob sie damit nach deutschem Recht überhaupt klagefähig sei ?
Danach stellt sich die Frage der Verhandlungs- und Geschäftsfähigkeit von Mars Propco 1, Cells Bauwelt oder jener Mozart Holding, die ebenfalls 50% der Anteile an Mars Propco 1 besitzt, gegenüber dem bezirklichen Bauamt eventuell noch einmal neu.

s. auch SPIEGEL und  Morgenpost von heute, 29.05.2016
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BVV am 21. April 2016:
5. Mündliche Anfrage              Nadia Rouhani
Bündnis 90/Die Grünen – fraktionslos

Panama Papers und Kudamm-Karree

Ich frage das Bezirksamt:

  1. Sieht sich das Bezirksamt im Zusammenhang mit der Veröffentlichung der Panama Papers und konkret des SPIEGEL zum Kudamm-Karree veranlasst, aufzuklären, wer die wirtschaftlich Berechtigten jener Firmen sind, mit denen das Bezirksamt über die weitere Entwicklung des Kudamm-Karrees verhandelt?
  1. Trifft es zu, dass der Baustadtrat bereits vor dem am 4. Dezember 2014 bekannt gemachten Eigentümerübergang von Ballymore an die Nachfolger direkten persönlichen Kontakt mit Vertretern von Cells Bauwelt hatte?
    a) Wenn ja, wann – und was war der Gesprächsgegenstand?
    b) Warum gab sich der Baustadtrat gegenüber der Berliner Presse vom Verkauf überrascht? (vgl. Berliner Morgenpost und Berliner Zeitung vom 5.12.2014?)

Sehr geehrte Frau Vorsteherin,
die Mündliche Anfrage beantwortet das Bezirksamt wie folgt:

zu 1.
Nein

zu 2.
Nein.

Mit freundlichen Grüßen
Marc Schulte

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