Fasanenstraße 62, Ikone der Architektur und das Char-Wilmer Stadtentwicklungsamt

Am 3. Juli 2015 hatte Bundespräsident Joachim Gauck ins Schloss Bellevue auf eine Matinee zu Ehren der Architektur geladen. Anlass für ein feierliches Mittagessen und Vorträge zu Baukunst und Baukultur waren die runden Geburtstage der Architekten Helmut Jahn, Meinhard von Gerkan und des lange Zeit einzigen deutschen Pritzker-Preisträgers Gottfried Böhm. Auch der kürzlich verstorbene Architekt Frei Otto, dem jüngst als zweitem Deutschen der renommierte Pritzker-Preis verliehen worden war, sollte bei dieser Gelegenheit geehrt werden.

Nach Angaben eines Teilnehmers waren das Thema Abriss und die Situation des Gottfried-Böhm-Hauses in der Fasanenstraße eines der zentralen Gesprächsthemen.

Die Abteilung Stadtentwicklung des Bezirks Charlottenburg-Wilmersdorf gibt in der Sache kein gutes Bild ab. Im März 2015 hatte der Bezirk eine Bauvoranfrage des Eigentümers dahingehend beantwortet, dass ein Abriss genehmigungsfähig wäre. Überrascht klang der Stadtrat, Marc Schulte (SPD), im zuständigen Ausschuss am 8. Juli, dass Öffentlichkeit und nun mit Dringlichkeit die Bezirksverordneten den Denkmalschutz auf den Plan riefen. Eher ungläubig nahm er zur Kenntnis, dass das Landesdenkmalamt bereits wohlwollend prüfe. Es wäre ja das erste Mal, so Schulte,  dass ein 80er Jahre Bau unter Denkmalschutz gestellt würde.

Frage 1: Könnte dies nicht auch als Hinweis darauf genommen werden, daß hier in bevorzugter Lage ein geschäftiger Investor eben in besonderer Weise zu Zwecken der Gewinnmaximierung gegen ein aus Sicht der Denkmalpflege eben noch sehr junges (und im übrigen tadellos in Schuß stehendes) Gebäude mit der Abrißbirne wüten will – und hat eine auch auf die soziale Verantwortung des Eigentums verpflichtete Stadtverwaltung hier nicht hellhörig zu sein und dann eben gegebenenfalls auch den Denkmalschutz zu bemühen?

Frage 2: Sollte das Stadtentwicklungsamt eines Berliner Bezirkes nicht aktiv und mit Stolz Gebäude herausstellen, die zu den Architektur-Ikonen der Moderne gehören?

Beschluss der BVV vom 09. Juli 2015 Mietwohnhaus Fasanenstraße 62 unter Denkmalschutz stellen  DS 1346/4

Kleine Anfrage Nadia Rouhani vom 13.07.2015 Die Abtg. Stadtentwicklung und die Fasanenstraße 62 – Reputationsverlust für den Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf ?  0511/4 

Kleine Anfrage Nadia Rouhani vom 01.07.2015 Fasanenstraße 63 und 62 0495/4

Berliner Morgenpost, 08.07.2015, „Der Abriss des Hauses wäre ein Skandal“

Der 80er Jahre Bau in der Fasanenstraße 62 soll auch abgerissen werden.

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