Fasanenplatz: Gutachten des Landesdenkmalamtes zum Böhm-Haus

Am Samstagmittag wurde gefeiert am Fasanenplatz. Der Mietergemeinschaft des Böhm-Hauses in der Fasanenstraße 62 ist es zu verdanken, dass ihr Haus „als baukünstlerisches Unikat im Stadtbild der WestBerliner City“ in die Denkmal- liste des Landes Berlin eingetragen wurde. Sie waren es gewesen, die das Landesdenkmalamt um Prüfung der Denkmalwürdigkeit des Böhm-Hauses gebeten hatten. Und das wahrlich in letzter Minute: Denn als im September die Eintragung des Gottfried-Böhm-Hauses in die Denkmalliste Berlins erfolgte, lag dem dem Bezirk schon seit Mitte Juni ein Bauantrag für eine Neubebauung der Fasanenstraße 62 und 63 vor, der den Abriss des Böhm-Hauses implizierte. Von diesen Absichten der Primus Immobilien AG hatte das bezirkliche Stadtplanungsamt seit spätestens September 2014 Kenntnis, als ein solcher Bauvorbescheid beantragt wurde. Dieser erging im Februar, Mitte Juni folgte, wie gesagt, der Bauantrag. Von all dem wusste die BVV und der Ausschuss für Stadtentwicklung mal wieder – nichts. Gespräche mit Investoren führt Baustadtrat Marc Schulte (SPD) auf deren Wunsch hin gern vertraulich.

Danke, Landesdenkmalamt! – Primus AG will dennoch klagen

Eine Baugenehmigung lag, so mag es die Primus AG sehen, schon in Reichweite. Und dann: Auftritt des Landesdenkmalamtes – und was für einer! Das Gutachten vom 10.09.2015  belegt und bescheinigt dem Böhm-Haus als „Gesamtanlage“ die Denkmalwürdigkeit in allen vier Bedeutungskriterien: „geschichtliche Bedeutung, künstlerische Bedeutung, wissenschaftliche Bedeutung und städtebauliche Bedeutung.“ Das ist eindeutig, mehr geht nicht! Dennoch wird Ärger auf den Bezirk zukommen, denn die Primus Immobilien AG will klagen, so teilte der Baustadtrat beim Hoffest mit.

Geschichte auch der Stadtplanung Wilmersdorf
Unbedingt lesenswert ist es, dieses Gutachten des Landesdenkmalamtes (link am Ende des Textes). Denn indem es das Haus am Fasanenplatz und dessen Bezug zur Werkgeschichte des ersten deutschen Pritzker-Preisträgers, Gottfried Böhm, würdigt, erinnert es zugleich auch an eine programmatisch verstandene und betriebene Stadtplanung in Wilmersdorf, die bereits Ende der 1970er Jahre ein „Bauprogramm zur Stadtreparatur“ auflegte, – noch bevor die Internationale Bauausstellung Berlin (IBA 1984/87) die „behutsame Stadterneuerung“ thematisierte und die Wiedergewinnung der West-Berliner Innenstadt als Wohnstandort als Ziel fasste. Und so ist es gewissermaßen bestürzend, dass das Stadtplanungsamt Charlottenburg-Wilmers- dorf unserer Tage diese Spur auch seiner eigenen Geschichte – und Erfolge! – so aus dem Auge verlieren konnte.

Eine eigene Ausstellung wert
Das Bauaktenarchiv des Bezirks bewahrt die Geschichte der Entstehung des Böhm-Hauses wie auch das benachbarte IBA-Projekt Gottfried-Böhms am Prager Platz auf. Diese Geschichte in einer eigenen Ausstellung zu erzählen, möglicherweise in der unmittelbaren Nachbarschaft, vielleicht im Haus der Festspiele (?!) werde ich als nächstes in der BVV beantragen.

Gutachten des Landesdenkmalamtes zum BoehmHaus_GA vom 10.09.2015

3 Kommentare

  1. Matthias Reich (BÜ 90/GRÜNE) sagt: Antworten

    Liebe Nadia,

    mal wieder eine Glanzleistung von Dir. Du hattest da ganz sicher wieder irgendwo die Finger im Spiel 😉

    Gut auch die Idee, die Geschichte des Böhm-Hauses und der Wilmersdorfer Stadtplanung in den 60ern und 70ern als Ausstellung aufzuarbeiten.

    Mich hat das als junger Mensch und Stadtplaner schon damals sehr bewegt, als mir klar wurde, warum – von Süden her kommend – die Bundesallee ab Güntzelstraße einen immer breiter werdenden Mittelstreifen hat: Hier sollte auf Stelzen eine Schnellstraße abheben, in die lauschige Meierottostraße hineinbrettern, an der Volksbühne vorbei über den Fasanenplatz krachen, die linke Seite der Fasanenstraße mal so weggeschliffen (Literaturhaus adé), dann als Tunnel unterm Kudamm durch, irgendwie weiter (Delphi-Palast weg?), aber im Bereich der Hertzallee wurde in jedem Fall schon mal großzügig breit gebaut (sieht man heute noch), rüber übern Landwehrkanal, rein in die Bachstraße, die bereits fürs Auffangen der „Cityumquerung“ üppig ausgebaut war. Welch ein Schwachsinn. Welch ein Umdenken.

    Dieses Umdenken sollte mal wirklich klug und sinnlich aufbereiten. Als Warnung an die Nachgeborenen.

    Weiter so.

    Matthias Reich
    Bündnis 90 / Die Grünen Charlottenburg-Wilmersdorf
    Mitglied im Ausschuss für Straßen- und Grünflächen
    Leiter der Grünen Stadtteilgruppe Schmargendorf/Wilmersdorf Südwest

  2. jn sagt: Antworten

    es geht auch anders:

    „Die Plattenbauten an der Wilhelmstraße in Mitte sollen erhalten bleiben und künftig unter besonderem Schutz stehen. Mögliche bauliche Ergänzungen und Verdichtungen dürfen dieses Stadtensemble nicht zerstören. Das Bezirksamt Mitte hat nun beschlossen, dies alles in einer sogenannten Erhaltungsverordnung festzulegen“

    http://www.berliner-zeitung.de/berlin/bauvorhaben-in-berlin-mitte-ddr-edelplatte-an-der-wilhelmstrasse-bleibt,10809148,32180002.html#plx572617492

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