Der A.T.U.-Milliardär und die Holtzendorff-Garagen

totale

Sind Sie auch immer wieder fassungslos, liebe Nachbarn vom Lietzensee und Halensee, wenn Sie an dieser einst markanten Ecke vorbei kommen?
An den Holtzendorff-Garagen von 1928/29?
Nach Entwürfen der Architekten Johannes und Walter Krüger errichtet, sind diese Kopfbauten des einstigen Tankstellen- und Garagenkomplexes an der Heilbronner Straße als „klassisches Beispiel für die Entstehung neuer Bautypen durch die zunehmende Motorisierung im Lauf der Zwanziger Jahre“  in die Denkmalliste des Landes Berlin eingetragen. Die Eintragung erfolgte am 16.12.2009 (!). Bereits zu diesem Zeitpunkt befand sich die ehemalige Tankstelle aus der Zeit der „Neuen Sachlichkeit“ in einem schlechten baulichen Zustand – doch nun stand ja fest: sie solle erhalten bleiben. Der Eigentümer indes hält seither Bezirk und Öffentlichkeit hin. Denn ihm ist mit einer Baugenehmigung – er möchte auf diesem bahnnahen Grundstück ein Wohnhaus mit Tiefgarage errichten – mit Datum vom 7.11.2011 (!) aufgegeben, die 20er-Jahre Tankstelle an der Straßenecke als konstitutiven Kern des Denkmals zu sichern, in den Neubau zu integieren und denkmalgerecht zu rekonstruieren. Doch genau das tat er – bis heute – nicht.

Im Gegenteil: Im März 2012 ließ er erst einmal den hinteren Teil der Garagen abreißen. Viele AnwohnerInnen, auch der Ausschuss für Denkmalschutz und Denkmalpflege der Architektenkammer Berlin, protestierten gegenüber der Bezirksverwaltung. Die ließ sich weiterhin vom Eigentümer auf der Nase herumtanzen, der für 2013 gegenüber dem Bezirk den Baubeginn und damit den Erhalt des Denkmals ankündigte, ohne dass darauf irgendeine Aktivität folgte. Weitere Jahre sind nun ins Land gegangen, das Gelände verwildert, und das Rest-Denkmal verfällt zusehends.

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Wann endlich wird das Denkmal gesichert?
Wie zum Hohn narrt seit dem Frühjahr 2015 ein Bauschild AnwohnerInnen und Passanten, kündet von Restaurierungen, doch still ruht der See. Schon ist das Dach durchlöchert, der der nächste Winter steht bevor.

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Die Anlage verfällt – unter den Augen des Denkmalschutzes
Seit 2009. Die bezirkliche Bauaufsicht beweist eine schon erstaunliche Langmut. Mitte 2014 kündigt der Eigentümer schließlich an, einen neuen Bauantrag stellen zu wollen. Doch auch damit ist wieder nichts. Nun läuft am 7.11.2015 seine alte, bereits verlängerte Baugenehmigung (von 2011) aus. Wer ist dieser Eigentümer?

„Eigentum verpflichtet“
Das möchte man ihm zurufen: dem Milliardär Peter Unger, dem A.T.U.-Gründer, dessen eine Unterfirma das Grundstück Ende 2009 erwarb. Ein Self-made-Man, der – ausgerechnet!  – System-Kfz-Werkstätten incl.  Auto-Zubehörhandel A(uto). T(eile). U(nger) zum führenden Vertreiber von KfZ-Zubehör ausgebaut und damit ein Vermögen gemacht hat, dieser Eigentümer lässt nun in Berlin ein Zeugnis früher Mobilität verfallen!  Auf der Liste der reichsten Deutschen rangierte Unger im Jahr 2007 auf Platz 49. Nachdem er A.T.U. verkaufte, widmet sich Peter Unger, wie es heisst, „aufgrund seiner finanziellen Lage – sehr erfolgreich Unternehmens-Beteiligungen (Startups) und Immobilien-Investitionen in den Top-Lagen deutscher Metropolen.“

Nun ja, erfolgreicher als seine Unter-Firma und ihre demnächst `verfallende´ Baugenehmigung an der Heilbronner Straße 12-13 dürfte dem Vernehmen nach die Unternehmensbeteiligung Peter Ungers an der Groth-Gruppe sein, die derzeit in „Top-Lagen“ Berlins („Europa-City“/Heidestrasse, Lehrter Straße oder am Mauerpark), demnächst, wer weiß, in Lichterfeld-Süd, dick im Geschäft ist. Die  Charlottenburger Unternehmung, die Peter Unger, wie hier an der Ecke
Heilbronner Straße auf eigene Faust betreibt, ist jedenfalls nicht nur wenig überzeugend. Aus Sicht der Öffentlichkeit und des Bezirks ist sie nachgerade ärgerlich.
Ich werde das Bezirksamt durch Antrag in der BVV auffordern, den Denkmalschutz im Wege einer Anordnung und notfalls Ersatzvornahme durchzusetzen.

Kleine Anfrage, Holtzendorff-Gararagen -Sicherung des Baudenkmals und Baubeginn, vom 06.07.2015, beantwortet am 31.08.2015
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12 Kommentare

  1. jn sagt: Antworten

    „Bis
    zum
    7.11.2015
    besteht
    die
    Baugenehmigung
    fort“
    antwort schulte auf kleine anfrage

    der count-down läuft

    was dann ? wetten, dass verlängert wird, bis irgendwann der „warme Abriß“ kommt.

    und um die ecke weht der nächste abriß-auch wenn der stadtrat (wieder) was anderes verspricht:

    http://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/kudamm/berlin-charlottenburg-kaffeepause-fuers-kranzler/12432518.html

  2. jn sagt: Antworten

    Holtzendorffgarage: thema eines BVV antragtes

    http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/politik/bezirksverordnetenversammlung/online/vo020.asp?VOLFDNR=5696http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/politik/bezirksverordnetenversammlung/online/vo020.asp?VOLFDNR=5666

    es geht darüber hinaus: die gesamte Heilbronnerstr. steht unter „veränderungsdruck“:
    http://www.bauwert.de/aktuelles/wohnbauprojekte/heilbronner-strasse-berlin-charlottenburg.html
    http://www.tagesspiegel.de/berlin/bezirke/kudamm/berlin-halensee-wohnen-im-buerohochhaus-mit-panoramablick/11956632.html
    Kick und Reichelt sind schon raus, was kommt jetzt ?

    dem baustadtrat frühzeitig „auf die finger schauen“ ! (wenn nicht bereits wieder „alles gelaufen ist“)

    Immerhin, seine „Sozenpartei“ geht voran und stellt fragen (vielleicht !)

    http://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/politik/bezirksverordnetenversammlung/online/vo020.asp?VOLFDNR=5666

  3. jn sagt: Antworten

    Ersatzvornahme: das Beispiel Ausflugslokal

    nicht nur an den „Garagen“(Kant und Holtzendorff) in Charl.“bröckelt“ es, auch an der „Riviera“ in Grünau sieht es nicht besser aus.
    doch der bezirk reagiert

    „Das Bezirksamt hat Sicherungsmaßnahmen für das Objekt Riviera / Gesellschaftshaus in der Regattastrasse angeordnet und sofortigen Vollzug vorgeschrieben – andernfalls Ersatzvornahme auf Kosten der Eigentümerin. “

    http://www.riviera-retten.de/presse/

    http://www.abendblatt-berlin.de/2014/12/07/die-wut-ueber-den-verfall-waechst/
    http://www.abendblatt-berlin.de/2013/10/14/tauziehen-um-das-ballhaus-riviera/

  4. jn sagt: Antworten

    BVV 19.11.15.

    8. Einwohnerfrage Joachim Neu

    Holtzendorffgaragen

    (schriftliche Beantwortung)

    Welche Abweichung gibt es gegenüber den ursprünglichen Bauplänen von 2011?

    „Wir haben das Projekt erst vor etwa einem Jahr übernommen und die ursprünglichen Baupläne geändert (…) Die Sanierung des Denkmals sei genehmigt, den neuen Bauantrag für den geänderten Neubau hätten sie allerdings erst vor sechs Wochen gestellt.“ MoPo 5.11.15

    Welche Form der Baubefreiung gibt es zu welchen Konditionen?

    Wie wird der Anliegerverkehr (Anlieferung/Kundenparken) geregelt und wo wird die Baulogistik stattfinden (Kracauerplatz!)?

    Warum hat sich über vier Jahre der Bauprozess hingezogen, ohne dass das BA tätig geworden ist?

    Welche Mietpreise werden in der Nutzung der Wohnungen zur Geltung kommen?

  5. jn sagt: Antworten

    was wird von der Garage erhalten bleiben ?

    der denkmalbeirat war eindeutig (vor 6 jahren !!)

    „Der Denkmalbeirat empfiehlt, die Holtzendorff-Garage zu erhalten und bei einer evtl. Neubebauung des Grundstücks charakteristische Teile der Garage in einen Neubau zu integrieren“

    https://www.berlin.de/ba-charlottenburg-wilmersdorf/aktuelles/pressemitteilungen/2009/pressemitteilung.198285.php

  6. jn sagt: Antworten

    das projekt auf der website der „feddersen architekten“

    http://www.feddersen-architekten.de/

  7. jn sagt: Antworten

    Dümmer/Dünner geht es nimmer: die anworten des baustadtrates auf die einwohnerfragen:

    1.
    Die Planung aus 2011 sah die Errichtung eines Wohnhauses vor, jetzt ist ein Wohn- und Geschäftshaus geplant.

    2.
    Befreiungen sind kein Handelsgut und unterliegen daher nicht Konditionen. Vielmehr sind Anträge dazu im Rahmen des pflichtgemäßen Ermessens der Verwaltung zu entscheiden. Der aktuelle Befreiungsantrag befindet sich in der Prüfung.

    3.
    Ein entsprechender straßenverkehrlicher Antrag wird aktuell bearbeitet, Details sind noch nicht geregelt.

    4.
    Das Bezirksamt ist, insbesondere im Hinblick auf die Sicherung des Baudenkmals, tätig geworden. Mit der Erteilung einer Baugenehmigung besteht seitens des Bezirksamtes keine Möglichkeit, deren Umsetzung einzufordern.

    5.
    Diese Frage kann vom Bezirksamt nicht beantwortet werden.

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