Den Investoren geht das Bauland aus!

Ausgerechnet die Groth-Gruppe! Ausgerechnet die Groth-Gruppe klagt: „Uns gehen die Grundstücke aus!“ Wo? Am letzten Sonnag in der Morgenpost („Berlin geht das Bauland aus“, 11.10.2015). Und wer ist schuld? Nicht lachen: Grund dafür, so Thomas Groth, sei „die zunehmende Spekulation mit Grund und Boden und die `kooperative Baulandentwicklung´ des Senats.“  Die Groth-Gruppe – ausgerechnet – beklagt Bodenspekulation!

Das Geschäftsmodell: Grundstücke „durch sogenannte Projekt-entwicklung weiterzuveredeln“
Der da den Chor der armen Bauträger anführt und böse Machenschaften anprangert, nach der private Grundstücke „durch eine sogenannte Projekt-entwicklung `weiterveredelt´“ und eben teuer und teurer würden –  derselbe Thomas Groth hatte sich hier im Bezirk mit einem solchen „Veredler“ genau zu diesem Zweck  – gigantischer Bodenspekulation! –  zusammengetan: mit LoneStar/LORAC, jenem Hedgefonds aus Dallas, Texas, der die Kolonie Oeynhausen im Jahr 2008 für nicht einmal 600.000,– Euro zum Kleingarten- preis von der Deutschen Post gekauft hatte, um seither dem klammen Bezirk mit 50 Millionen Entschädigungsforderungen einzuheizen, sollte dieser die seit 1986 beabsichtigte und im Berliner Flächennutzungsplan seit 1988 /1994 fest- geschriebene Grünflächenplanung festsetzen. Wenn das keine  „Grundstücks-veredelung“ist, was dann? Die LORAC-Anwälte zücken jede Karte, um den Bezirk in die Knie zu zwingen – und auf diesem Wege wollte die Groth-Gruppe mit einem so genannten „Kompromiss“ zum Zuge kommen, der ihr aktuelles Baurecht für 700 Wohnungen im gehobenen Segment in Oeynhausen beschert hätte. Wie nennt man das, wenn nicht Bodenspekulation? Der Bürgerentscheid im Bezirk (Mai 2014) war eindeutig: 77% sagten dazu NEIN! Die Bezirks-SPD, die den Deal übers Jahr 2012 eingefädelt hatte, trauert ihm bis heute nach.

„Groß, größer, Groth“ – „Grundstücksveredelung“ im großen Stil
Nun ist es ja nicht so, dass die Groth-Gruppe in Berlin sonst nichts zu beißen hätte. Tausende Wohnungen, so schrieb die taz  („Groß, größer, Groth“) am
27. Juni 2015
,  habe die Groth-Gruppe derzeit im Vertrieb, oder sie sind im Bau, oder sie sind in der Planung: Genau, wir erinnern uns – Gleisdreieck, Lehrter Straße, Heidepark, demnächst Mauerpark, in Zukunft, wer weiß, Parks-Range in Lichterfelde-Süd.?! „Warum läuft es so gut“, hatte die taz gefragt. „Wir hatten Glück mit dem Grundstückseinkauf“, lautete die Antwort von Thomas Groth. Wohl wahr, denn im Sommer 2012 hatte die Groth-Gruppe noch einmal groß eingekauft: ehemalige Bahnflächen von der CA Immo. Im wesentlichen auch Grünflächen, zum Grünflächenpreis versteht sich. Grünflächen auch nach der Flächennutzungsplanung im Land Berlin (s. Mauerpark, Parks Range/ Lichterfelde-Süd, Gleisdreieck). Die Kunst bestand nun in der „Grundstücks-veredelung“ – hochwertiges Baurecht für billig erworbenes Grünland zu beschaffen.
Nachtrag:
2014 wechselte der langjährige Berlin-Chef der CA Immo (zuvor Vivico Real Estate = Bahnimmobilienverwertungsgesellschaft), Henrik Thomsen, in die Geschäftsführung der Groth-Gruppe, um dort – die  „Projektentwicklung“ zu verstärken.

Das läsen wir gern einmal in unserer Tageszeitung
Solche Metamorphosen erfordern, na klar, besondere Fähigkeiten und haben ihren – auch politischen – Preis. Allein am Mauerpark hieß das: Flächennutzungsplan Berlins umschreiben; Landschaftsprogramm beiseite räumen; demokratische Beteiligung vorspiegeln und Bürgerwerkstätten im Zaume halten; einen denk- malgeschützten Bahntunnel umbauen, um Erschließungswege zu erfinden; Städtebauliche Verträge zu Lasten der Öffentlichen Hand durchs Abgeordneten- haus bringen;  Bürgerbegehren aushebeln und den Senat zum Eingreifen bewegen; 39.000 Einsprüche in Rekordgeschwindigkeit wegwiegen, und, letzte Woche der Schlussakt: im Abgeordnetenhaus durchs Plenum bringen. Wahrscheinlich habe ich noch was vergessen.Wie das alles in Berlin zugeht, diese Story – es dürfte ruhig mal wieder etwas investigativer zugehen in Berlin! – läsen wir gern einmal in unserer großen Tageszeitung. Hier immerhin online bei der Pankower Allgemeinen:„Groths Puppenkiste stimmt für städtebaulichen Sündenfall“,10.10.2015.

Mauerpark? Läuft doch! Was ist der Groth-Gruppe nun auf den Magen geschlagen?
„Seit 2010“, so Groth am 27. Juni in der taz,, „habe man wieder richtig Spaß beim Wohnungsbau.“ Was ist ihm in der Zwischenzeit so auf den Magen geschlagen? Dass die Grundstücks`veredlung´ am Mauerpark geglückt scheint, in Lichterfelde- Süd aber ein Bürgerbegehren und ein Bebauungsplanverfahren drückt? Und damit erstmals nun auch für die Groth-Gruppe Abgaben im Rahmen der „Kooperativen Baulandentwicklung“ an das Land Berlin fällig würden?

So träte denn auch Berlins größter Bauträger, einer, dessen Vergangen- heit dubiose Subventionsmillionen aus dem alten West-Berliner Wohnungsbau anhaften (*), der von einem einzigartigen und eigens für die Groth-Gruppe ersonnen Konstrukt der BerlinHyp kurz vor Ausbruch der Berliner Banken-affäre vor der Pleite gerettet wurde, –  so träte denn nun auch die Groth-Gruppe in den kalten Wind des Marktes. Das, immerhin, ist eine Nachricht.

(*) Siehe hier die SFB-Dokumentation von Mathew D. Rose und Ursel Sieber, Der Baulöwe, die Stadt und der Filz: Klaus Groth – eine Berliner Karriere:
https://www.youtube.com/watch?v=1dn53L3jKtYDer Baulöwe, die Stadt und der Filz: Klaus Groth – eine Berliner Karriere

 

8 Kommentare

  1. Wilhelm Lehberger sagt: Antworten

    Der Bauboom bröckelt
    Tausende Luxuswohnungen wurden von Groth, Bauwert u.a. gebaut, ohne auch nur einen Cent für die marode oder fehlende soziale Infrastruktur abführen zu müssen. Jetzt soll sich das ändern und damit sind die fetten Jahre vorbei und die Einsicht, dass der Berliner Mietermarkt die hohen Mieten kaum verkraften wird, ist bei den Bauträgern auch schon angekommen. Den Wohnungsbaugesellschaften ist das schon länger klar, weil sie ja die unschönen Abfallprodukte („preiswerte lärmrobuste Wohnung in verkehrsgünstiger Nordostlage“) übernehmen dürfen. Nur im Abgeordnetenhaus ist die Erkenntnis bisher nicht angekommen. Stattdessen sind Realitätsferne, Ideenlosigkeit und mangelndes Rechtsbewußtsein umso stärker vertreten. Ein Blick in die Wahlprogramme von rot/grün Anfang der 90er Jahre, als schon einmal die von der Sonder-Afa befeuerte Wohnungsnot in Ost und West grassierte, zeigt, wie weit nicht nur die Zeit, sondern auch politische Ideen verschnarcht wurden. Operative Hektik und ratloses Unvermögen gepaart mit den immer gleichen Worthülsen machen aus der Stadt den unwirtlichen sozialen Trümmerhaufen, den wir in den „Metropolen“ der Welt bereits vorfinden. Ein Blick in die Tagesschau zeigt denn auch beiläufig, wie weit die politische Bewußtseinsspaltung in der SPD (und nicht nur dort) bereits fortgeschritten ist: Das Motto der Parteikonferenz zieren wieder einmal Kinder in grüner Umgebung – in der „Realpolitik“ hat beides keine Chance.

  2. jn sagt: Antworten

    wie paßt das zusammen ?

    klimaneutralität auf der einen,
    baubefreiungen, verdichtung der stadträume, zerstörung von grünflächen, kleingärten auf der anderen ?

    hierzu online gehen, votum abgeben und am 5.november teilnehmen

    http://www.stadtentwicklung.berlin.de/planen/stadtforum/

  3. Ganz Ihrer Meinung, Frau Rouhani, was die Klagen von Herrn Groth betrifft!
    Aber leider halten sich die GRÜNEN bei Entscheidungen über Bodenspekulationen ja vornehm zurück… sehr enttäuschend!!!! (siehe Abstimmung über Mauerparkbebauung im Abgeordnetenhaus am 8.10.15)

  4. jn sagt: Antworten

    ..leider endet der film zum „Baulöwen“ 2001
    hier fehlen bald 15 jahre der fortsetzung der tragödie.
    es wäre die geschichte des wundersamen wiederaufstiegs von Klaus Groth

  5. Eine Grüne, wie sie sein sollte! Nadia Rouhani, fraktionslos ist der beste Zustand der Welt!
    Selbstbestimmt und eigenverantwortlich!
    und damit offen für die Gesellschaft, für uns!

  6. jn sagt: Antworten

    Wohnen in Berlin

    was hat das alles mit unseren Mieten zu tun ?
    näheres erfahren Sie hier:

    http://blog.klausenerplatz-kiez.de/archive/2015/10/14/wohnen_in_berlin

  7. Johannes sagt: Antworten

    Liebe Nadia.
    Kein wirklicher Kommentar, sondern nur ein Wort der Anerkennung. Ich verfolge Deinen Blog nun bereits seit einigen Monaten und habe den allergrößten Respekt vor Deiner Arbeit, Deinem Biß, Intellekt und Mut. Bleibt zu hoffen, dass Du auch zukünftig der Bezirkspolitik erhalten bleibst und dem Mehltau, der über Charl-Wilm liegt, etwas entgegensetzt.

  8. jn sagt: Antworten

    Groth zum Tausendfachen…

    http://www.uwe-rada.de/themen/stadt_groth.html

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