Absurd bis grotesk: Theater um Ku’Damm-Bühnen

Die Bezirkspolitik ist nach wie vor in die absurd anmutende Frage verstrickt:
Ob man einer Person, die bis auf weiteres gar nicht existiert (?), einer juristischen Person genauer, die ihren Existenznachweis nach wie vor schuldig bleibt (!), einer Person, die sich gerne mal mit unwirksamen (?) Vollmachten vertreten lässt, einer Person darüber hinaus, hinter der gleichwohl Schattenmänner aus dem Umkreis von Putins Cello-Panama-Connection
stehen (!) — ob man also als Bezirkspolitik einer solchen (Überhaupt?-) Person die Geschicke der einstigen Max-Reinhardt Bühne überträgt, ob man die als Doppelgeschoss-Logentheater und Stilikone der Golden Twenties of Berlin weltweit einzigartige Komödie am Kurfürstendamm in jemandes Verantwortung belässt, indem man dessen unerwiesene Existenz als gegeben unterstellt und für eine solche Schimäre auch noch Bau-Rechte zu schaffen sich bereithält. Grotesk!

Was trug sich zu?

Gestern trafen sich die mutmaßlichen Vertreter jener Person mit der unerwiesenen Existenz, die (möglicherweise) Bevollmächtigen des Luxemburg-Briefkastens Mars Propco 1 S.à.l.r. als (mutmasslicher) Eigentümerin des Ku’Damm-Karrees und Klägerin auf der einen Seite – und auf der anderen Seite die Intendanz der Ku’Damm-Bühnen, vertreten durch den leibhaftigen Theaterdirektor Martin Woelffer als Beklagte: Sie trafen sich auf der Bühne des Landgerichts Berlin. Die Klägerin meint, dem Theater den Mietvertrag ordentlich gekündigt zu haben. Woelffer streitet, gestützt auf seinen famosen Anwalt Dr. Reinhard Geulen, unter Verweis auf wirksame Miet- und Pachtvertrags-Pakete materiell jede ordentliche Kündigungsmöglichkeit ab und verweist zudem und darüber hinaus u.a. auf die vorgelagerte Frage eben nach der realen Existenz der Klägerin und dem damit verbundenen tatsächlichen Vorhandensein einer Kündigungmöglichkeit bzw. einer Klageberechtigung überhaupt.

Im Mai (Akt 1 in diesem Stück Absurden Theaters) waren beide Seiten in derselben Sache erstmals vor dem Landgericht zusammengetroffen – das Gericht hatte damals die Klägerin aufgefordert, Existenznachweise zu erbringen, die gestern vorzulegen waren. Was ihr aber wiederum nicht gelang. In bemerkenswerter Langmut verordnete Richter Siegfried Sommerfeld daher erneut Hausaufgaben: „Dem Kläger wird aufgegeben, die Gründungsurkunde seiner Gesellschaft, die Veröffentlichung im Luxemburger Amtsblatt, eine Übersetzung der Satzung und den Registerauszug im Original vorzulegen.“ Sprach’s und setzte als den nächsten Verhandlungstermin den 18. Oktober fest. Wir sehen somit entgegen: einem dritten Akt.

Und die Bezirkspolitik? Die  nimmt es mit derlei Existenzfragen nicht so genau. Als BVV hatte sie in der vorletzten Sitzung der heurigen Wahlperiode am vergangenen Donnerstag beschlossen, an den ihr offenbar selbstverständlich existenten Investor  zu appellieren, „die vorgelegten Planungen dahingehend umzugestalten, dass die Komödie am Kurfürstendamm im jetzigen Zustand erhalten bleibt.“  Ob die mutmassliche Überhaupt(?)-Person sich um diesen Appell scheren wird?

Absurdes Theater: Die BVV appelliert an einen (Schein?-) Investor, Dinge zu tun, die er erwiesenermaßen gar nicht tun will – und schweigt dazu, dass das Bezirksamt gleichwohl und handfest bereits seit dem Herbst 2014(!) über Einzelheiten des Bühnen-Beseitigungs-Projektes verhandelt.

Wenn der Investor diesen Appell verhallt haben lassen wird — wird er dann auf seine nichtexistenten Ohren verweisen? Mag sein. Und die andere Seite des Verhandlungstisches, das Bezirksamt? Das ist durch die BVV gar nicht erst in die Pflicht genommen. Toll!

A propos absurd, apropos Stil-Ikone, a propos Golden Twenties of Berlin:  Bezirksamt und BVV tun ein Stückchen weiter unten am Ku’Damm, am WOGA- Komplex rundum die Schaubühne am Lehniner Platz, derzeit auch nicht genug, um die Aura dieses einzigartigen Gebäudeensembles gegen die Verwertungs-interessen eines anderen (off-) Shore-Investors zu bewahren. Der Mythos Berlin leidet hier und dort — absurd-groteskerweise ausgerechnet unter den amtlichen Stadtentwicklungs-Machern und Denkmalschützern in Stadt und Bezirk!

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