111 Jahre Oeynhausen – Eins und eins macht eins

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Liebe Leute,
111 – Sommerfest – Hurra – wir sind da!

Aber wieso sind wir überhaupt noch da?
Hätten wir nicht längst weg sein müssen, weg sein von hier, weg von dieser Scholle?

Was haben sie nicht versucht: Die alte Urkunde ausgegraben, den übergeleiteten B-Plan 1958/60 und ihre Anwälte, die Winkeladvokaten, da Rechtsansprüche rauslesen lassen. Die seien da einfach drin und gegeben und wir werden sie uns nehmen diese Rechte, wir werden bauen – und wenn ihr uns damit nicht machen lasst, dann werdet Ihr schon sehen, wie wir uns stattdessen Millionen von Euch holen, nicht 1 nicht 2, sondern 20 oder 30, denn so steht es, wie Marc Schulte später behauptet, auf irgendwelchen Zetteln, die man nur aus der Schublade holen muss!

Und damit, mit diesen Zetteln, die einfach da seien und als bare Münze zu nehmen wären: Damit haben sie die politisch Verantwortlichen von Berlin – und die sitzen in dieser Sache nun mal zuerst und zuvorderst im Bezirk – damit haben sie diese Verantwortlichen verrückt gemacht, und die ließen sich auch verrückt machen: denn sie haben es geschafft, die schwäbische Hausfrau bei denen da wachzurütteln. Und die nimmt diese Zettelwirtschaft eben als bare Münze.

Aber wieso haben wir uns davon nicht irre machen lassen? Wieso haben wir die Kraft gehabt soweit, mit Dienstaufsichtsbeschwerden, Einwohneranträgen, Verwaltungsgerichtsklagen, Strafanzeige, Bürgerentscheid, Gutachten, Flashmobs, Parteiarbeit (und in meinem Fall auch einem Fraktionsausschluß), aber auch immer wieder: mit unseren Festen! – dieser schwäbischen Logik zu begegnen? Warum ist dieses gallische Dorf so stark? Was ist der Zaubertrank?

Ich glaube, dass die 111 Jahre, die wir heute feiern, etwas damit zu tun haben. Denn hinter dieser Zahl verbirgt sich eine große emotionale Kraft: und die ist nicht, wie die Zahl, abstrakt, sondern greifbar, wir brauchen uns nur umsehen: Die Büsche und Bäume, die Hütten und Zäune, die Blumen und Wiesen, die Hecken und Sträucher und: Unsere Gesichter. Lasst uns auf dies schauen: Seht die Gesichter und unseren Versammlungsplatz, Fränkys Gasthaus – Fränky lebe hoch!! -: Dann ist das die stärkende Emotion eines Moments. Denn dieses jetzt Umkucken, was meint ihr, sagt es uns: Ja, hier wollen wir sein? Ja… wir wollen hier sein!

Dieses Jetzthierseinwollen ist der Kraft-Rohstoff in der Zahl 111, aber die 111 sagt: Dieser Rohstoff ist nur ein Moment, aber ich, die 111, ich bin noch viel mehr: Ich bin übereinandergeschichte Momente des Hierseinwollens, Gefühle nicht nur von den heute hier Versammelten, sondern von allen, die jemals auf dieser Scholle versammelt waren in den einhundertundelf Jahren. Und diese Gefühle zusammengenommen, das ist unsere Kraft.

Und wisst ihr was? Diese Kraft hat einen Namen. Sie hat deshalb einen Namen, weil wir uns, indem wir heute die Zahl feiern, die 111, und damit auch die aufeinandergeschichteten Ich-Will-Hiersein-Momente würdigen, in dieser Würdigung hat die Kraft einen Namen:

Und dieser Name ist Heimat!

Aus diesem Gefühl heraus haben wir widersprochen, als es hieß: Dann muss die Scholle hier geräumt werden, ganz oder teilweise. Nein, sagte unser Gefühl, das kann so nicht richtig sein. Hier ist etwas gewachsen und es wuchs sorgfältig und in dem immer wieder auch von der Gemeinde, dem Land Berlin zurückbestätigten Vertrauen auf eine berechtigte Zukunft! Dieses so Gewachsene ist Natur, ist Dorf in der Stadt. Heimat! Die lassen wir uns so nicht nehmen:

Oeynhausen – es lebe hoch!

1 Kommentar

  1. Vielen Dank für diesen authentischen Beitrag, die Emotionen, das Sich einsetzen, das Nicht aufgeben!

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